Therapeutische Einrichtung Eppenhain

Medizinische Rehabilitation


Die Therapeutische Einrichtung Eppenhain mit 30 Plätzen ist ein Angebot zur medizinischen Rehabilitation junger drogen- und mehrfachabhängiger Menschen zwischen 14 und 20 Jahren. Sie ist die Facheinrichtung des Vereins für Minderjährige und junge Volljährige beiderlei Geschlechts.
Die Einrichtung bietet die außergewöhnliche Möglichkeit während der Therapie eine staatlich genehmigte Schule im Hause zu besuchen, um schulische Defizite auszugleichen und einen Haupt- oder Realschulabschluss zu erwerben.
Die Therapeutische Einrichtung Eppenhain ist für den Geltungsbereich Medizinische Rehabilitation Drogen- und Mehrfachabhängiger, Schulunterricht, Jugend- und Suchthilfe einschließlich Entwicklung der Angebote nach DIN EN ISO 9001:2008 und BAR / CaSu zertifiziert.


Indikation und Behandlungsdauer
Das Behandlungsangebot richtet sich an junge Menschen von 14 bis 20 Jahre, die suchtmittelabhängig oder durch einen schädlichen Gebrauch von Abhängigkeit bedroht sind.

Die Behandlungsdauer orientiert sich an den individuell erforderlichen Entwicklungsschritten und variiert zwischen sieben bis zehn Monaten.


Schule
Ein zentraler Baustein des rehabilitativen Angebotes ist die staatlich genehmigte Schule. Hier können im Laufe der Therapie der Haupt- oder Realschulabschluss erworben oder schulische Defizite ausgeglichen werden. Mehr Informationen erhalten Sie unter dem Reiter Schule.


Behandlungsziele und Angebote
Ziele der Therapie sind die Wiederherstellung der Fähigkeit, den Leistungsanforderungen in Ausbildung, Schule oder Beruf gerecht zu werden, die Befähigung zur Suchtmittelabstinenz, zur Bewältigung von Krisen und Rückfällen sowie zu einer sozial integrierten Lebensgestaltung.
Dazu sind individuell unterschiedliche Entwicklungsschritte notwendig, u. a.
• sich mit dem Substanzmissbrauch bzw. dem eigenen Verhalten, dessen Funktion und Folgen auseinandersetzen
• sich selbst besser kennenlernen und den Mut entwickeln sich mitzuteilen
• eigene Fähigkeiten und Fertigkeiten wiederentdecken und weiterbilden
• Lernen in einer sozialen Gemeinschaft zu leben und Konflikte angemessen zu regulieren
• Beziehungen zur Familie, zu Freunden und Partnern bzw. Partnerinnen neu gestalten
• einen neuen und stabilen  Freundeskreis aufbauen und pflegen
• einen Schulabschluss erwerben oder schulische Defizite aufarbeiten
• die materiellen Rahmenbedingungen für eine eigenständige  Lebensführung schaffen, rechtliche Probleme bearbeiten und Schulden regulieren.


Grundlagen der Behandlung und Rehabilitation
Allen therapeutischen oder pädagogischen Bemühungen liegen humanistische Prinzipien der Interaktion zu Grunde:
Emotionale Wärme und Achtung
Die jungen Patienten/-innen müssen sich angenommen, ernstgenommen und aufgehoben fühlen. Sie müssen Vertrauen entwickeln können und in den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Menschen sehen, denen sie sich offen mit allen Nöten und Sorgen anvertrauen können, die zu ihnen stehen und die ihnen mit Respekt und Achtung begegnen.
Verlässlichkeit, Transparenz und Kooperation
Die jungen Patientinnen und Patienten müssen das Verhalten aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als Vorbild erleben. Interventionen und Maßnahmen sind sachgerecht und auf den Einzelfall bezogen. Die Therapieziele werden in Kooperation entwickelt. Die Eltern oder Sorgeberechtigten werden in den therapeutischen Prozess einbezogen soweit dies von dem/der Patienten/-in mit getragen wird.
Ordnung und Atmosphäre
Die jungen Patientinnen und Patienten sollen sich in ihren Zimmern und in der gesamten Einrichtung wohlfühlen und die Atmosphäre soll von Ordnung und Wohnlichkeit geprägt sein.
Klarheit und Struktur
Die Regeln und Strukturen des Zusammenlebens sind eindeutig, für alle gültig und verbindlich.
Toleranz, Kontrolle und Konsequenz
Die therapeutische Gemeinschaft basiert wie jede Gemeinschaft auf Regeln, die das Zusammenleben und die konstruktive Zusammenarbeit ermöglichen. Im Konflikt um die Einhaltung dieser Regeln entfaltet sich häufig persönliche Entwicklung. Um die Gradwanderung zwischen Toleranz und individuellen Entwicklungschancen einerseits und Entwicklungsanforderung andererseits soweit wie möglich nachvollziehbar und transparent zu gestalten, werden Verstöße gegen die Hausregeln registriert und ggf. wird auch mit Konsequenzen darauf reagiert.

Rehabilitationsziele
Suchtspezifische Zielsetzung:
Erlangen einer stabilen Motivation zur Abstinenz,
Erkennen und Erinnern der eigenen Geschichte der Entwicklung von Abhängigkeit,
Kenntnis geeigneter Strategien zur Vermeidung von Rückfällen
Heilung bzw. Linderung suchtspezifischer Begleit- und Folgeerkrankungen.

Erwerb psychischer Kompetenzen:
Verbesserte Wahrnehmung und Ausdrucksfähigkeit von Emotionalität,
Wiedererkennen und Weiterentwicklung eigener Fähigkeiten und Fertigkeiten,
Verbesserung der Fähigkeiten zur Gestaltung von Beziehungen,
Verbesserung der Wahrnehmung (Selbst- und Fremdwahrnehmung, Differenzierung von Affekten etc.),
Entwicklung angemessener Werthaltungen.

Erwerb sozialer Kompetenzen:
Aufbau und Pflege von sozialen Beziehungen und Klärung der familiären Situation,
altersgemäße Ablösung vom Elternhaus und Verselbstständigung,
Erwerb von Kontakt- und Bindungsfähigkeit,
Regulierung von Belastungen wie rechtlicher Probleme, Schulden,
Entwicklung und Pflege von Freizeitaktivitäten.

Erwerb schulischer und beruflicher Qualifikationen:
Reduktion schulischer Defizite oder Erlangung eines Schulabschlusses,
Integration in Schule und Berufsausbildung,
(Wieder-)Erlangung der Erwerbsfähigkeit.

Rehabilitationsprozess

Der Prozess der Rehabilitation lässt sich in fünf Phasen darstellen:
Motivationsentwicklung und Vorbereitung, Aufnahme, Diagnostik und Behandlungsplanung, Therapeutische Angebote und pädagogische Lernfelder, Adaption.
Dabei sind die Phasen der Diagnostik und der Therapie nicht schematisch zu trennen, sondern wirken jeweils gegenseitig aufeinander ein.


Therapeutische Angebote und pädagogische Lernfelder
Therapeutische Angebote
Einzelgespräche und Indikative Einzeltherapie
Verbesserung der emotionalen Schwingungs- und Ausdrucksfähigkeit,
Entwicklung von Konfliktbewältigungs- und Problemlösungsstrategien,
Verbesserung und Differenzierung von Selbst- und Fremdwahrnehmung,
Förderung der Gruppenfähigkeit.
In der Regel finden die ca. 50-minütigen Einzeltherapiesitzungen wöchentlich statt.

Gruppentherapie
Gruppentherapie hat sich traditionell als ein effektives Instrument für die Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen erwiesen. Mit ihrem vielschichtigen Beziehungsgeflecht ist sie dazu geeignet, als Übungsfeld für soziales Verhalten zu dienen. Die Gruppe ermöglicht es, die eigenen Wahrnehmungen zu überprüfen und die persönlichen Stärken und Schwächen zu entdecken. Der/die Einzelne lernt Konflikte zu verstehen und auszutragen.
Die Gruppen können sowohl zur Bearbeitung einer individuellen Problematik angesichts und mit Hilfe der anderen Teilnehmer/innen als auch zur Bearbeitung der aktuellen Beziehungsdynamik in der Gruppe oder auch themenzentriert (z.B. Verhalten bei Suchtmittelhunger) genutzt werden. Die Gruppentherapie ist keiner therapeutischen Schule verpflichtet. Der Einsatz von Therapietechniken erfolgt nach der spezifischen Qualifikation des/der Therapeuten/in. Die Inhalte der Gruppentherapie können zu Beginn gemeinsam festgelegt oder von den Therapeuten/innen angeregt werden.
Die Gruppensitzungen finden zweimal wöchentlich in den Bezugsgruppen statt. Dadurch ist ein kontinu¬ierlicher therapeutischer Prozess mit der gleichen Behandlungsgruppe gewährleistet. Sie werden von einem/r Therapeuten/in und einem/r Co-Therapeuten/in, in der Regel den zuständigen Bezugstherapeuten/innen, geleitet.

Indikative Gruppentherapie
Indikative Gruppen für sozial besonders Auffällige, Patienten/-innen mit ausgeprägter Angst oder Selbstwertproblematik sowie Patienten mit einem großen Unruhepotential, dessen Hintergrund häufig borderlinenahe Störungen sind, werden einmal wöchentlich angeboten. Die inhaltliche Gestaltung dieser Gruppen ist konzeptionell als Modulsystem entwickelt. Die Teilnahme an den Gruppen ist verbindlich. Die Entscheidung über die indizierte Gruppe wird im Team nach Abstimmung mit den Patienten/-innen getroffen.
Im Einzelnen werden folgende Gruppen angeboten, die eine themen- oder problemzentrierte Gruppenarbeit ermöglichen:
• Motivationsgruppe,
• Rückfallprophylaxegruppe,
• Selbstsicherheitsgruppe
• Training sozialer Kompetenzen
• Stationäres Abstinenztraininig für Cannabiskonsumenten/innen für Jugendliche (StACk 4 U, Konzept steht als Download bereit)
• Entspannungstraining
Darüber hinaus werden zu spezifischen Themen anlassbezogen Workshops angeboten, z. B. Gesundheitsbewusstsein, Essverhalten, Sexualberatung.

Familiengespräche
In die rehabilitative Arbeit werden die Angehörigen oder sonstige wesent¬liche Bezugspersonen so früh wie möglich einbezogen. Die Drogenproblematik des/der Patienten/-in kann Ausdruck einer Familienproblematik sein, andererseits kann die Abhängigkeit des Kindes zu enormen Belastungen und Störungen in der Familie geführt haben. Die Patienten/-innen kommen in einem Alter in die stationäre Therapie, in dem sie einerseits noch stark an die Familie gebunden sind und andererseits beginnen sie, sich ihrer altersgemäßen Aufgabe, der Ablösung aus dem El¬ternhaus zu stellen. Neben anderen Kontakten zu den Familienangehörigen und deren Besuchen in der Einrichtung bzw. Heimfahrten der Patienten/innen, bieten wir jeder Familie therapeutische Gespräche an, begleitet durch einen/e Therapeuten/in und dem/r zuständigen Bezugstherapeuten/in. Je nach Einzelfall werden solche Therapiegespräche auch schon zu Beginn der Therapie angeboten, spätestens jedoch vor der ersten Familienheimfahrt. Sofern es sich als notwendig und für den Therapieverlauf hilfreich erweist, werden weitere Gespräche vereinbart.

Arbeitstherapie
Die Arbeitstherapie findet für neuaufgenommenen Patienten/innen und für die Jugendlichen, die nicht am Schulunterricht teilnehmen, parallel zum hausinternen Schulunterricht in der Hauswirtschaft, der Gärtnerei und der Schreinerei statt. Sie zielt darauf ab, die jungen Patientinnen und Patienten partiell mit realitätsnahen Anforderungen zu konfrontieren, um die Belastungsfähigkeit zu trainieren und Grundlagen für die Bewältigung des Alltagslebens zu schaffen.

Pädagogische Lernfelder

Therapeutische Gemeinschaft
Ausgehend von der Hypothese, dass insbesondere bei Jugendlichen Aspekte der Nachsozialisation für die Rehabilitation eine entscheidende Rolle spielen, ist Gemeinschaftsbildung und das Gemeinschaftsleben mit seiner Alltagsgestaltung ein zentrales Lernfeld.
Es ist daher ein Grundanliegen der pädagogischen Arbeit, einen entsprechenden sozialen Rahmen zu sichern, der dem/der Einzelnen die persönliche Entwicklung und Rehabilitation ermöglicht. Die entscheidenden kommunikativen Prozesse und strukturellen Bausteine sind in diesem Zusammenhang die Gültigkeit und Akzeptanz von Regeln, der Tages- und Wochenablauf, das Leben in Wohngruppen, die Delegation von Verantwortung und die verbindliche Beteiligung der Jugendlichen.

Werte und Regeln der Gemeinschaft

Das Leben in der Gemeinschaft der Patientengruppe und die Zusammenarbeit mit den Beschäftigten ist geregelt. Die geltenden Regeln sind schriftlich fixiert und jedem zugänglich, bei ihrer Aktualisierung kann die Patientenvertretung mitwirken. Klarheit und Orientierung in den Erwartungen an das Verhalten und an die Gültigkeit gemeinsamer Werte sind für Jugendliche besonders wichtige strukturelle Stützen, aus denen heraus erst Entwicklungsanforderungen erkannt und formuliert werden können. Der pädagogische oder therapeutische Umgang mit von den Regeln abweichendem Verhalten bewegt sich immer im Spannungsfeld zwischen angemessener Würdigung der individuellen Persönlichkeitsproblematik, praktikablen, umsetzbaren Interventionen und präventiven Aspekten im Hinblick auf die Gesamtgruppe, die Gültigkeit der geltenden Normen und Werte und der Glaubwürdigkeit der pädagogisch oder therapeutisch Handelnden.
Entscheidungen als Reaktionen auf abweichendes Verhalten sind daher immer Einzelfallentscheidungen. Dies gilt für den Umgang mit Abbruch (unerlaubtem Verlassen der Einrichtung) ebenso wie für den Rückfall oder inadäquate Aggressionshandlungen.

Tages- und Wochenablauf
Der Tagesablauf für die Patienten/-innen ist strukturiert. Damit sollen die Patienten/-innen wieder an eine Regelmäßigkeit in der Lebensgestaltung gewöhnt werden. Der Tages- und Wochenablauf berücksichtigt die spezifischen Behandlungsaufgaben der Einrichtung und ist auf die alterspezifischen Möglichkeiten der Jugendlichen abgestimmt. Parallel zu den allgemein verbindlichen Tagesangeboten werden die individuellen Therapiesitzungen organisiert. An den Wochenenden und während der Schulferien (entsprechend den Zeiten der öffentlichen Schulen) wird der Alltag in besonderer Weise gestaltet. Hier finden verstärkt Ausflüge, Veranstaltungsbesuche und Ferienfreizeiten statt. Als Anhang ist der Wochenplan der Einrichtung beigefügt.

Beratung
In Sozialgesprächen werden u. a. folgende Themenbereiche erörtert und ggf. notwendige Maßnahmen eingeleitet:
• In Zusammenarbeit mit den Justizorganen und den Drogenberatungsstellen müssen eventuelle Gerichtstermine, Bewährungsauflagen etc. erfasst werden oder Kontakt zur Bewährungshilfe aufgenommen werden.
• Im Rahmen der Rehabilitation kann eine Schuldenregulierung eingeleitet werden.
• Die sozialrechtliche Situation der Patienten/-innen ist häufig ungeklärt. Ansprüche der Patienten/-innen auf Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder Krankengeld müssen ebenso geprüft werden, wie die Frage des Krankenversicherungsschutzes oder der Anspruch der Eltern auf Kindergeld.

Kooperation
Als Nachbetreuungseinrichtung steht die Jugendwohngruppe Haus Bleistein mit acht Plätzen im selben Ort zur Verfügung. Von dort aus kann der Schulbesuch in der Therapeutischen Einrichtung Eppenhain fortgeführt und abgeschlossen werden.
Im Bildungszentrum Hermann Hesse in Frankfurt, ebenfalls eine Schule des Trägers, sind Schulabschlüsse bis zum Abitur möglich. Nachsorge- und Adaptionseinrichtungen wie auch Betreute Wohngemeinschaften in Frankfurt können bei einem weiteren Schulbesuch oder bei Beginn einer Berufsausbildung als Wohn- und Betreuungsangebot genutzt werden.


Stand: 07/2014