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Der Leiter des Suchthilfezentrums in der Schiersteiner Straße, Cetin Upcin (links), stellt Ministerin Kristina Schröder und dem stellv. Geschäftsführer der Jugendberatung und Jugendhilfe Hans Böhl die Arbeit der Einrichtung vor.
 
 
 
 
SUCHTHILFEZENTRUM Bundesfamilienministerin Schröder informiert sich über Arbeit der Einrichtung
 
  
Hoher Besuch im Suchthilfezentrum (SHZ) Wiesbaden: Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) besuchte gestern die Einrichtung in der Schiersteiner Straße, um sich über die Gefahren von Abhängigkeiten und Präventivmaßnahmen gegen die Sucht zu informieren. Sie sei gespannt auf die Arbeitsweise des SHZ und hoffe, viele neue Eindrücke mit nach Berlin zu nehmen, bemerkte sie vorab. Auch die Wiesbadener Schuldezernentin Rose-Lore Scholz (CDU) würdigte die „außergewöhnliche“ Arbeit des Zentrums.

Schwerpunkt Jugendliche

Die Experten um Einrichtungsleiter Cetin Upcin erklärten der Ministerin verschiedene Projekte, die derzeit im Zentrum angeboten werden. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Jugendlichen. So soll das Programm FreD (Frühintervention bei erstauffälligen Drogenkonsumenten) gleich zu Beginn helfen: Heranwachsende, die im Zusammenhang mit Drogen erstmals polizei- oder schulauffällig geworden sind, können hier in speziellen Kursen früh genug auf die rechte Bahn zurückgeführt werden. Mitarbeiter Thomas Abel erläuterte, dass die jungen Menschen nicht nur mit Cannabis oder Alkohol experimentierten, sondern auch mit Schnüffelstoffen. „Das Inhalieren von Deodorant kommt immer mehr in Mode“, sagte der Diplomsozialpädagoge.

Mit HaLT (Hart am Limit) soll ein Bundesmodellprojekt in Wiesbaden etabliert werden. Dabei geht es in erster Linie um Jungen und Mädchen, die Opfer des sogenannten Komasaufens geworden sind. „Die Jugendlichen veranstalten regelrechte Wettkämpfe, wer am meisten trinken kann“, weiß Abel. Viele von ihnen wachen nach ihrem Rausch im Krankenhaus auf, wo dann die erste Frage schon mal laute: „Und - wie viel Promille hatte ich?“

Ein besonderes Interesse bekundete Familienministerin Schröder beim Thema Internetsucht, „die ja gerne unterschätzt wird“. Seit September 2008 werden in Wiesbaden auch Verhaltenssüchte wie exzessives Kaufen oder unkontrolliertes Sporttreiben behandelt. Das größte Problem sei allerdings der maßlose Umgang mit den neuen Medien, sagte Fachberaterin Katharina Hellenbart. „Drei Prozent der PC-Nutzer sind süchtig, weitere sieben Prozent können als gefährdet angesehen werden.“ Neben der sozialen Isolation träten bei einigen körperliche Schäden auf. „Oft sind unsere Patienten untergewichtig, da sie kaum noch etwas essen“, meint Hellenbart. Vor allem Heranwachsende seien bedroht, der Computersucht anheimzufallen. „Sie flüchten vor der Realität in eine virtuelle Welt“, so die Sozialpädagogin. Wo sich Kinder früher zum Spielen auf der Straße getroffen haben, chatten sie heute lieber gemütlich vor ihrem PC. Das Beratungsteam kennt Fälle, bei denen Jugendliche 60 bis 80 Stunden in der Woche vor dem Bildschirm sitzen. Da bleibt für Schule, Freunde oder andere Hobbys keine Zeit mehr. Zwar seien die gesundheitlichen Auswirkungen zunächst nicht so schlimm wie bei starkem Drogen- oder Alkoholkonsum, sagte Leiter Upcin, „doch verlieren die Abhängigen das höchste Gut des Menschen - ihre Freiheit.“
 
Sie können den Artikel im Original vom Wiesbadener Kurier vom 26.06.2010  downloaden
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