In der Therapeutischen Einrichtung Eppenhain fand eine Fachtagung zum Thema pathologisches Internet- und Computernutzungsverhalten statt.
Unter dem Titel „Vom Spiel zur Sucht“ wurde gemeinsam mit den 59 Gästen erörtert, wann Internet- und Computergebrauch als pathologisch bzw. behandlungsbedürftig anzusehen ist und wann ambulante oder stationäre Maßnahmen indiziert sind.
Ergebnisse:
Computer und Internet stehen nahezu in allen Haushalten zur Verfügung und der Computer ist ein sehr wichtiges nicht mehr weg zu denkendes Medium geworden, dass fast alle Jugendlichen schulisch/beruflich und privat nutzen. Reales und virtuelles Leben sind bereits heute miteinander verschmolzen und gehören in einer angemessenen Relation zu einem sozial integrierten Leben.
Pathologisch und somit mindestens ambulant behandlungsbedürftig wird das Internet- und Computernutzungsverhalten, wenn
- Betroffene über längere Zeitspannen den größten Teil des Tageszeitbudgets zur Internet- und Computernutzung verwenden,
- die Person die Kontrolle bezüglich des Beginns und der Beendigung ihrer Internet- und Computernutzung weitgehend verloren hat und Versuche, das Nutzungsausmaß zu reduzieren oder die Nutzung zu unterbrechen, erfolglos bleiben,
- zunehmend mehr Zeit für internet- und computerbezogene Aktivitäten aufgewandt wird,
- bei zeitweiliger, längerer Unterbrechung der Internet- und Computernutzung psychische Beeinträchtigungen auftreten und starkes, psychisches Verlangen (Craving) zur Wiederaufnahme der Internet- und Computeraktivität aufkommt,
- wegen der Internetaktivitäten sich insbesondere in den Bereichen „soziale Beziehungen“ (z.B. Ärger mit Freunden) sowie „Schule und Leistung“ negative Konsequenzen einstellen.
Eine stationäre Behandlung sollte erfolgen, wenn
- ambulante Versuche die exzessive Computernutzung zu reduzieren oder zeitweise ganz aufzugeben mehrfach gescheitert sind,
- Betroffene die Fähigkeit verloren haben ihre PC-Nutzungszeiten selbständig kontrollieren zu können,
- die PC-Nutzung als Hauptstressverarbeitungsstrategie verwendet wird,
- die Schul- oder Berufsausbildung durch häufige Fehlzeiten oder starken Leistungsabfall erheblich gefährdet ist,
- eine länger anhaltende soziale Isolation in der Realwelt besteht, die nach Einschätzung des sozialen Umfeldes (Familie, Schule) ohne Milieuveränderung nicht auflösbar ist,
- massive intrafamiliäre Konflikte bestehen, die bis zu tätlichen Auseinanderstetzungen gehen,
- psychische und soziale Unsicherheiten die Teilhabe am realen Leben erheblich erschweren,
- komorbide Störungen vorliegen, wie Suchtmittelmissbrauch/-abhängigkeit, emotionale Störungen, Affektstörungen, Angststörungen, Persönlichkeits-störungen, physische Komorbidität (Untergewicht -BMI < 18,5- oder Übergewicht -BMI ≥ 25-,Herz-/Kreislaufbeschwerden, Schlafstörungen)
Wir möchten an dieser Stelle den Referent/innen, den teilnehmenden Expert/innen und allen Interessierten danken, die durch ihre Beiträge für interessante Diskussionen gesorgt und zu den o.g. Ergebnissen erheblich beigetragen haben.
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